Scroll

Karin Zbinden und Larissa Schüller

Rückengeschichten werden im Kindergarten oder im gesamten 1. Zyklus gerne eingesetzt: Während die Lehrperson eine Geschichte erzählt, "zeichnet" ein Kind passend dazu auf den Rücken eines anderen Kindes, was es hört. Die Bewegungen von Tieren, das Fallen von Regentropfen oder das Pflücken von Blumen wird mit den Händen auf dem Rücken spürbar gemacht. Rückengeschichten verbinden Sprache mit Berührung und sie regen die Vorstellungskraft sowie das aktive Zuhören, Verstehen und Erinnern an

Bei Rückengeschichten sitzen die Kinder auf dem Boden im Kreis oder auch in Zweiergruppen hintereinander. Die Lehrperson oder ein Kind erzählt eine kurze Geschichte. Die zuhörenden Kinder stellen das Erzählte durch Berührungen auf dem Rücken des Kindes vor ihnen nach

bild_ruckengeschichte_2.jpg

Was können Rückengeschichten bewirken?

Diese multisensorische Form des Zuhörens fördert die Aufmerksamkeit in vielerlei Hinsicht. Die Kinder hören nicht nur zu, sondern verknüpfen das Gehörte mit körperlichen Empfindungen. Das kann:

  1. die Konzentrationsspanne verlängern

  1. das aktive Zuhören fördern

  1. das Sprachverständnis unterstützen, indem Bedeutungen nicht sprachlich umschrieben, sondern nachgestellt und an Erlebnisse gekoppelt werden.

Rückengeschichten können auch einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung des Körpergefühls und zur Selbst- und Fremdwahrnehmung leisten. Durch die Berührungen lernen Kinder:

  1. ihren eigenen und fremde Körper besser wahrzunehmen

  1. zwischen angenehmen und unangenehmen Reizen zu unterscheiden

  1. eigene (körperliche) Bedürfnisse und Grenzen zu erkennen und zu artikulieren bzw. diejenigen von anderen zu akzeptieren

Der Einsatz von Rückengeschichten trägt somit zur sozialen und emotionalen Entwicklung bei. Mit dem Durchführen von Rückengeschichten kann das Gemeinschaftsgefühl gestärkt und Rücksichtnahme geübt werden.

Die Durchführung von Rückengeschichten eignet sich besonders zur Beruhigung, nach bewegungsintensiven Phasen oder auch als Übergang zwischen unterschiedlichen Aktivitäten.

Was gilt es bei den Rückengeschichten zu beachten?

Nicht jedes Kind mag es, angefasst zu werden. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe und das kann sich sowohl von Kind zu Kind als auch von Tag zu Tag unterscheiden. Diese persönlichen Grenzen sollten unbedingt beachtet werden, Rückengeschichten sollten freiwillig sein. Wenn ein Kind nicht berührt werden will, kann dieses alternativ auf einem Kissen die Bewegungen durchführen oder auf einem Blatt Papier den Handlungsverlauf oder Gegenstände aus der Geschichte "zeichnen".

Wenn Kinder Rückengeschichten durchführen, kann es vorkommen, dass Bewegungen zu grob oder unruhig werden. Eine klare Anleitung mit einfachen Regeln ist daher zentral.  Es empfiehlt sich, dass sich die Lehrperson zur Einführung mit den Kindern in einen Kreis setzt, sodass jedes Kind den Rücken eines anderen Kindes vor sich hat. Die Lehrperson zeigt dann die Bewegungen vor und die Kinder machen alles nach. Sie zeigt, wo und wie die Kinder sich berühren sollen und erklärt ihnen: 

  1. Dein Rücken gehört dir! Du darfst sagen, was sich gut anfühlt und was nicht. Du darfst sagen: "Bitte sanfter", "Bitte fester" oder "Stopp!"

  1. Was das Kind vor dir sagt, das gilt! Du berührst langsam und vorsichtig und hörst zu, was das andere Kind will.

  1. Drücke nicht auf die Wirbelsäule! Die Wirbelsäule ist wie eine Perlenkette aus vielen kleinen Knochen, die uns hilft, aufrecht zu stehen, zu sitzen usw. Sie ist sehr stark, aber auch empfindlich, deshalb müssen wir gut auf sie aufpassen.


 

Was braucht man?

Eine Geschichte – aus dem Kopf oder zum Vorlesen.
Zum Beispiel:

  1. Emmett, Jonathan: Das schönste Geschenk der Welt. Berlin 2020.

  1. Brigitte Weninger: Einer für alle – alle für einen! Zürich 2020.

  1. Gebrüder Grimm: Frau Holle.

  1. Oder: Kurze Handlungsanleitungen. Zum Beispiel: Pizza zubereiten, Kekse backen, ein Spaziergang im Regen, o.ä.

Optional: Kissen, um bequem auf dem Boden zu sitzen oder für Kinder, die lieber auf einem Kissen "zeichnen" wollen. Dafür würden sich auch Stift und Papier anbieten.

Quellen:

Zur Rolle von Bewegung für die kognitive Entwicklung, das soziale Lernen, das emotionale Erleben sowie für die sprachlich-kommunikative Bildung vgl.  Müller, Christina (2021): Bewegte Kita. Anregungen für mehr Bewegung in Krippe, Kindergarten und Hort. Baden-Baden: Academia, insbesondere S. 9-12 und S. 52-53.
Zum pädagogischen Wert von Kreisspielen für die Entwicklung eines Gemeinschaftsgefühls und zur Stärkung des Selbstbewusstseins vgl. Erkert, Andrea (2007): Das Kreisspiele Buch. Temporeiche und ruhige Spielideen für alle Gelegenheiten. Münster: Ökotopia 2007, S. 4-7. Hier finden sich auch viele Kreisspiel-Ideen!
https://www.mobilesport.ch/kindersport/spielen-ausklangspiele-pizza-backen/
https://www.uniklinik-duesseldorf.de/fileadmin/Fuer-Patienten-und-Besucher/Kliniken-Zentren-Institute/Verwaltung/Gleichstellungsangelegenheiten/Dateien/Entspannung_und_Kindermassagen.pdf

Drucken Teilen