Erika Wagner, PH Zug
Zeichnen als Dialog
Zeichnen ist Denken in sinnlich-visueller Form. Kinder erleben unmittelbar, dass ihr Handeln eine Wirkung hinterlässt: Jede Linie provoziert eine sichtbare Antwort, die wiederum das weitere Tun beeinflusst. Zeichnen ist somit ein fortlaufender Prozess von Aktion und Reaktion – ein steter Fluss, in dem das was sichtbar wird, das weitere Handeln lenkt.
Das Zeichnen gilt als ein ausgezeichnetes Medium, nicht allein ‹der Wiedergabe der Natur, sondern auch des Denkens und des Sehens›. [...] Sie führt den Blick hin zum Prozesshaften des Sehens und Zeichnens, sie ist dabei nie blosse Abzeichnung, nie repräsentative Fixierung einer äusseren Form, sondern (Auf-) Zeichnungen in einem Wechselspiel von Denken, Wahrnehmen und Handeln. Ihr Potenzial liegt, wie Horst Bredekamp feststellt in der ‹Kraft, Gedanken zu bilden›. (Bippus, 2012, S. 135)
Zeichnen lässt sich daher als Dialog zwischen der zeichnenden Person und dem entstehenden Bild verstehen. Die Reaktion auf das, was auf der Bildfläche entsteht, kann zeichnerisch oder auch sprachlich erfolgen. Besonders junge Kinder begleiten ihren Zeichenvorgang häufig sprechend, indem sie kommentieren, was geschieht oder sichtbar wird (vgl. Filmbeispiel).