Erika Wagner, PH Zug
Von der Vorstellung zur Darstellung
Zeichnen ist eine Übersetzung von einer Vorstellung zu einer Darstellung oder von einer Idee zu einem sichtbaren Produkt. In diesem Visualisierungs- oder Formfindungsprozess wird eine eigene innere Vorstellung für andere zugänglich und sinnlich erfahrbar gemacht. Dabei verschmelzen Inhalt und Form im Bild zu einem Bedeutungskomplex. Nach Rudolf Arnheim ist dieser „Akt der Übertragung einer Erfahrung oder Idee in ein Bildmedium per se eine Abstraktionsleistung, da er stets Übersetzungsleistungen des Selektierens und Reduzierens einfordert“ (zitiert nach Schirmer, 2025, S. 273).
Zeichnen ist eine nichtlineare Bewegung des Suchens und Findens im Dialog mit dem Material. „Im Prozess der Veranschaulichung werden Inhalte geklärt“ (Schirmer, 2025, S.279/280). Zeichnen heisst also, sich selbst etwas aufzeigen, eine Sache klären. Die Verlangsamung bei der Übersetzung unterstützt das Erinnern und Verstehen: „Erlebtes wird bildnerisch strukturiert und dadurch verlangsamt und intensiviert verarbeitet“ (BDK, 2015).
Verunsicherung gehört wesentlich zu solchen Prozessen und erfordert eine sensible Begleitung. Im Unterricht bedeutet das: aufmerksam und präsent sein, Interesse zeigen und gleichzeitig nicht ständig intervenieren oder interagieren. Matthews bringt es treffend auf den Punkt: „Sometimes, interaction means doing nothing“ (Matthews, 2003, S. 110). Eine solche Haltung unterstützt den bildnerischen Prozess und bestärkt und motiviert die Schüler:innen.
Auch Zurückhaltung kann förderlich wirken, denn gerade in offenen Suchprozessen ziehen sich einzelne Kinder gerne zurück, um ungestört etwas für sich herauszufinden oder zu üben.