Erika Wagner, PH Zug
Sprechen als reflexiver Akt
Bildnerisches Gestalten fördert den Austausch unter Lernenden, weil Kinder häufig auf die Bilder anderer reagieren. Diese Gespräche über ihre Bilder wirken wie eine wechselseitige Begleitung unter Peers und unterstützen den Lernprozess, wenn sie in einem wertschätzenden Rahmen stattfinden.
Im Dialog mit anderen und mit der Lehrperson entwickeln Kinder eine reflektierende Haltung: Sie betrachten ihre Arbeiten aus Distanz, entdecken bisher ungesehene Zusammenhänge und neue Perspektiven, die für die Weiterentwicklung der Arbeit hilfreich sein können.
Kinder erkennen, dass hinter jedem Bild ein individueller Entstehungsprozess steht. Das Sprechen wird so zur Reflexion über die Bildentstehung und übersetzt visuelle Erfahrungen in Sprache. Sprechen über Bilder ist daher immer auch ein Akt der Abstraktion. „Es wird dabei vom Individuellen und Besonderen abgesehen, stattdessen das Gemeinsame oder Allgemeine hervorgehoben“ (Prechtl & Burkard, 2008, S. 6, zitiert nach Schirmer, 2025, S. 271). Diese sprachliche Übersetzung wirkt klärend und vertiefend, sowohl für die Rezipient:innen als auch für die Produzent:innen.
Das gemeinsame Betrachten, Vergleichen und Beschreiben von Bildern führt weg von einer rein subjektiven Interpretation hin zu einer klareren, objektivierenden Betrachtung. Zudem wird das ästhetische Urteilsvermögen gefördert: Kinder lernen genau hinzuschauen und die Wirkung einzelner Bildelemente zu beschreiben. Sie erfahren, dass ihre Werke wahrgenommen, ernst genommen und anerkannt werden.