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Erika Wagner, PH Zug

Beim Zeichnen erhalten Formen Bedeutung – und Bedeutungen werden zu Formen. Betrachten, abgleichen, weiterzeichnen, entscheiden: Ist das Bild fertig? Was fehlt noch? Worauf verweist das Bild?  

 

Kinder denken, handeln und empfinden beim Zeichnen doppelt: Sie wechseln fortlaufend zwischen der Bedeutung eines Bildelements, die über das Bild hinausgeht und auf etwas ausserhalb des Bildes verweist (ausserikonisch), und der Bedeutung des Elements innerhalb des Bildes (innerikonisch). So schaffen sie Bezüge innerhalb und ausserhalb des Bildes. (vgl. Filmbeispiel) 

Diese Bezüge verweisen auf Empfindungen, Erinnerungen, reale Objekte (Gegenstandsanalogien) oder Imaginationen. Gleichzeitig beeinflusst die Umgebung das Zeichnen. Kinder wechseln also ständig zwischen verschiedenen Referenzen, die sich durchdringen und in der fertigen Zeichnung oft nicht mehr unterscheidbar sind. Matthews nennt dies «double knowledge» – das Bewusstsein, dass ein Zeichen zugleich das ist, was es darstellt, und etwas anderes repräsentiert: 

[...] in drawing, the child dramatically perceives [...] the dual function of symbols and signs; that while a mark is just a mark, at the same time it can stand for (represent) something quite other than itself. [...] Perhaps in no other expressive and/or representational medium is it so clearly demonstrated. (Matthews, 2003, S. 60)